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Samstag, 25. Oktober 2014

Channel Image 12:07 Abt. Der Feuilletonchef und die Illuminati aus Pratteln infamy
Das musste ja wieder mal gesagt sein, denn das Gerücht hält sich ja bekanntlich hartnäckig:
"Die Geschichte vom Überleben Hitlers aus dem Führerbunker ist frei erfunden."
Zu lesen ist dieser Satz in einem Interview, das der Feuilletonchef der "Basler Zeitung" mit zwei Herren geführt hat, die auf dem dazugestellten Bild wie zwei abgehalfterte Operntenöre aussehen – in schwarzen Anzügen, mit schwarzen Hüten, roter Krawatte bzw. Foulard und weissen Seidenschals. Es handelt sich um den Immobilienunternehmer Hermann Alexander Beyeler aus Pratteln und einen Autoren mit Namen Gerd Schneeweiss.

Es geht um einen (Tatsachen-)Roman über einen angeblichen Entwurf, einen Bozetto, den Michelangelo für die Sixtinische Kapelle geschaffen haben soll. Diesen Bozetto wollen die beiden Autoren aufgespürt haben und irgend einmal dem Vatikan zurückgeben. Dummerweise steckt das Werk in einem Zollfreilager fest, sodass man es nicht präsentieren könne.

Diese Geschichte sei absolut wahr, dürfen die beiden Herren im Interview behaupten. Gänzlich unwidersprochen. Denn die "Basler Zeitung" liebt ja bekanntlich phantastische Geschichten, ob sie nun der Wahrheit entsprechen oder aus lächerlichen Fantasiegespinsten entwachsen sind, spielt manchmal keine so grosse Rolle.

Aber zurück zu den Nazis. Ganz so sicher scheinen die Interviewten nicht zu sein, ob Hitler wirklich ...

... Nun ja. Vielleicht nicht gerade Hitler. Der ist zwar unsterblich, aber so alt kann er nicht geworden sein, dass er heute noch lebt. Aber seine Gefolgschaft. Uiuiui:
"Aber wir möchten künftig nicht mit Bodyguards herumlaufen müssen. Deshalb haben wir dieses These, die sich auf viele Beweise stützt, in einen Roman verpackt. Sich mit rechtsradikalen Kreisen anzulegen, ist sehr gefährlich. So ist die Wahrheit eben als Fiktion getarnt."
Also das Gegenteil von denen, die Fiktionen als Wahrheiten verkaufen!

Die beiden Autoren dürfen im Interview – wiederum gänzlich unwidersprochen – auch behaupten, dass das Fachpublikum den Roman sehr gut aufgenommen habe. Keine Nachfrage, welche Fachräfte das denn seien. Wer nach dem "Bozzetto" googelt, findet sie auf alle Fälle nicht. Und wer in der "Schweiz am Sonntag" nachschaut, stösst auf ein Zitat eines wirklichen Michelangelo-Spezialisten, der die ganze Geschichte als "lächerlich" abtut.

So richtig erschütternd wird es dann gegen Ende des Interviews, wenn Beyeler auf eine angeblich geplante Verfilmung des Romans zu sprechen kommt:
"Ich habe sogar schon den Text für den Titelsong geschrieben. Das ist typisch für mich, ich denke bereits weiter und habe immer wieder neue Pläne."
Wir indessen legen die Zeitung weg und fragen uns: Wollte der Interviewer die Befragten der Lächerlichkeit aussetzen oder ganz einfach sich selber lächerlich machen?

Quellen

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